Für die Sprachinteressierten unter euch hier nun ein paar Dinge, die mir teilweise sofort, zum Teil erst im Laufe der Zeit aufgefallen sind. Es ist halt wirklich so, dass man ne Sprache wie Englisch, von der man sowieso auch in Deutschland permanent umgeben ist, erst richtig lernt oder durchschaut, wenn man in dem Land ist, in dem sie als Muttersprache gesprochen wird. Jedenfalls ist das meine persönliche Erfahrung.
Etwas, über das ich schon im Vorhinein gelesen hatte und sehr gespannt auf die wirkliche Verwendung war, ist das schon mal erwähnte „darling“ oder auch „love“ und manchmal „my dear“. Vor allem von den etwas älteren Leuten hier wird es gern benutzt. Gerade gestern auf dem Portobello Market hab ich mich nach dem Preis von nem Paar Ohrringen erkundigt und der gute Mann meinte: „That is just one pound, darling!“. Auch bei Leene’s mittlerweile als schizophren etikettierten ehemaligen Landlady haben wir des öfteren ein „Do you want a cup of tea, darling?“ oder z.B. auf die Frage wo wir unser Essen vorstauen sollen ein „Oh, just put it in here, love.“ gehört. Besonders im Zusammenhang mit dieser Landlady versteht man, dass nicht alles Gold ist was glänzt, also bloß nicht alles so verstehen wie es klingt. Es ist zum Beispiel keinesfalls ne Anmache, wenn der Pub-Barmann am Samstagabend fragt: „Can I help you, my dear?“ Diese Nettigkeiten sind einfach und allein dazu da nett zu sein und nett zu klingen - ganz klar Teil der English politeness (s.a.:„Would you mind if I take a bit of your Sugar…“ instead of „Can I have…?“)… Darling, love und my dear sind als Dinge, die es wirklich gibt und ohne Zweifel etwas, was man in Seminaren am Institut in Halle seltener hört. Zu entscheiden, ob das schade ist oder nicht, ist euch überlassen :-)
Fast noch wichtiger sind, und das kann man auch in den wunderbaren Sprachpraxiskursen in Halle raushören, die sogenannten „Question tags“… Habe manchmal das Gefühl, dass die Engländer fast jeden zweiten Satz in Frage stellen – „This is gorgeous, isn’t it?“ Die meisten von euch wissen sicher wie das Spielchen funktioniert, einfach das Verb am Ende noch mal in die Verneinung bringen oder umgekehrt. Geht natürlich auch mit „are und aren’t they“ etc. Witzig ist, dass sie manchmal das schon benutzte Verb im Satz ignorieren und der Bequemlichkeit halber überall ein „isn’t it“ oder „is it“ dranhängen. Sehr gern – vor allem wenn sie schnell sprechen oder wie meine Schüler cool klingen wollen – wird das komplizierte „isn’t it“ zu einem sympatisch schlüpfrigen „innit“ verkürzt. That’s comfy, innit?
Was mir auch gleich zu Anfang aufgefallen ist: Das „, too.“ wird hier eher weniger oder nur in nem bestimmten, mir noch nicht ganz klaren, Kontext verwendet und sehr oft durch ein „as well“ ersetzt. Klingt irgendwie auch besser. Hm… merken!
Auch ein „Oh, that’s good, though.“ oder ein „though“ zu zahlreichen Gelegenheiten und an vielfältigen Positionen im Satz, kriegt man oft zu hören. Dieses Wort verwirrt mich wirklich schon seitdem ich es kenne. Und ich bin immer noch dabei es zu verstehen und sein Potenzial vollends zu begreifen… Zuerst hab ich mich gefragt, ob es überhaupt ne Bedeutung hat. Vorschnelle Antwort: Ähh… nö? Ein Online-Dictionary hat mich dann bei genauerem Hinsehen eines Besseren belehrt. Es ist irgendwie ne Verstärkung der Aussage und bedeutet auch „allerdings, jedoch, dennoch“ – irgendwie sieht es komisch aus und klingt komisch und ist noch blöder zu sprechen.
Ein ganz klarer Unterschied zu Deutschen und Deutschland ist auch das „Excuse me?“ oder auch „I’m sorry.“… Ob in der U-Bahn, in der es sowieso – und besonders zur rush-hour - echt eng wird (!) und niemand etwas dafür kann, jemandem aufn Fuß zu latschen, oder wenn man im Supermarkt einfach nur n Schritt zur Seite gehen muss, um Andere durchzulassen… Überall wird sich für alles und jeden entschuldigt. Und es ist noch nicht mal nervig, sondern einfach sympatisch, nett und zuvorkommend. Wie schon gesagt, eines der freundlichsten Länder der Erde, auch wenn sie komische Dinge tun wie links fahren, auf ihr Great Britain Pound und die Queen bestehen…
In der Schule und auch im Alltag wird man übrigens als „Miss“ angesprochen und Männer als „Sir“. Fragen wie „Excuse me, Miss, I am terribly sorry for that, but would you mind…“ sind also n gutes Beispiel für eine Explosion der Nettigkeit auf dieser wunderbaren Insel…
Zum Abschluss, „the other way around“, noch ein paar Sachen, die mir bei den Kindern in der Schule aufgefallen sind und die mich manchmal dazu bringen, meine eigene Sprache nicht so für selbstverständlich und einfach zu halten. Für englische Kids ist es einfach krass kompliziert, sich allein die verschiedenen Artikel der einzelnen Wörter zu merken. Bei ihnen ist ja alles nur „the“. Mit Fällen wie Nominativ, Genetiv, Dativ oder Akkusativ brauch man erst gar nicht zu kommen. Es wird einfach nicht unterrichtet, bzw. erst in der 12. oder 13. angerissen. Sie lernen einfach nur Sätze auswendig und steigen nicht wirklich hinter die Grammatik – zumindest viele von ihnen nicht. Is’ ja auch schwer. Am schwierigsten, und eine meiner Hauptaufgaben, ist die Ausprache. Genauso wie sich viele von uns, selbst Englischstudenten, noch mit dem „th“ abquälen, gibt es im Englischen keinen „ch“-sound. Und der kommt selbst in den Standardphrasen wie „Ich mache das nicht schlecht.“ (oder so) ziemlich oft vor. „Ick macke das nickt schleckt.“ is dann das Ergebnis. Und das kann auch schon mal zu Missverständnissen führen :-)… Auch das „Zett“ ist schwer. Wenn man an das englische Wort für „Zoo“ denkt (oha, „zoo“…), weiß man, wie alle hier Wörter wie „Zukunft“ oder „Zucker“ aussprechen… Auch das „w“ ist anders… und und und. Bin grad dabei mir zu überlegen, wie ich ihnen das nach den Ferien systematisch verklicker… ohne sie ständig mit einem energischen „chhhhhhh“ zu unterbrechen. We’ll see.
So, bei ner anderen Gelegenheit wird ich mich vielleicht über Ausdrücke wie „(to) feed the pony“ oder „(to) flick the bean“ auslassen – auch quite interesting ;-)…
Sonntag, 28. Oktober 2007
The English Language and its Usage
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