
Obwohl ich den Tee hier sehr mag und in England auch am liebsten mit Milch genieße, bin ich meinem LIeblingsgetränk aus Deutschland treu geblieben: Kaffee! Ich hab innerhalb von einer Woche ne ganze Dose instand coffee platt gemacht und auch heute hatte ich wieder mehr als genug. Und genau das ist der Grund dafür, dass ich nicht wirklich schlafen kann und meine Zeit sinnvoll, nämlich für Blogeinträge, nutzen will.


Wieder liegt eine Woche voller Erlebnisse hinter mir. Je mehr ich von Land und Leuten zu sehen bekomme, desto besser gefällt es mir hier. So langsam fühl ich mich auch in meinem Zimmer in der WG sehr zu Hause. Ich schlafe zwar immernoch auf einer Luftmatratze, aber es ist super! Habe heute ein paar Postkarten von zu Hause an die Wände geklebt (Man hat hier übrigens keinen Klebestreifen (und Kringeltechnik sowieso nicht, Ben!), sondern ein etwas hellblaues kneteartiges klebendes Gummizeuch, dass sich Blu Tack nennt. Gibts an jeder Ecke in kleinen, langen Platten und hinterlässt an der Wand komische fettfleckenmäßige Punkte, nachdem man sie abgemacht hat. Also brauchte ich mir keine Sorgen machen, langweilige Wände in meinem Zimmer vorzufinden - es war eher gilblich mich bläulichem Polkadot-Muster... ;-) ) und von meinem Mitbewohner eine rote Lichterkette bekommen, da meine Lampe nicht funktioniert.

Mittlerweile hab ich auch deutsche Verstärkung in die WG geholt - oder besser gesagt, sie wurde dazu mehr oder weniger gezwungen, meine Verstärkung zu sein. Leene hat nämlich Mitte letzter Woche vom einen auf den anderen Tag ihre Bleibe verlassen müssen und wohnt jetzt für die nächsten zwei Wochen in unserem Gästezimmer. Ihre landlady ist nämlich eindeutig schizophren... Es ist genau die, die uns zu Anfang bei sich hat wohnen lassen und total freundlich und unkompliziert schien. Leene hatte sich ja darauf eingelassen in diese Baustelle einzuziehen mit den Zusagen, dass sie so schnell wie möglich Möbel bekommt, dann die vereinbarte Miete zahlt und auch Gäste haben kann, solang die landlady Bescheid weiß... Als es dann ernst wurde und Kati, eine Freundin von ihr Mitte letzter Woche vorbeikommen wollte, war das auf einmal nicht mehr so einfach. Von dem in den Staaten lebenden Mann der Irin sollte plötzlich Erlaubnis eingeholt werden und eventuell sei es aus religiösen Gründen nicht gestattet, dass Leenes Verlobter Bernd für ein paar Tage übernachtet. Auch die Miete sollte steigen und die Tatsache, dass sie 1 1/2 Wochen kein Wasser hatten zum Duschen und dass eventuell bald der Dachboden ausgebaut werden soll, machten die SItuation auch nicht wirklich besser. Und das nur, um einige Kleinigkeiten zu nennen. Der 'Elmbank Way' wurde zur 'Elmstreet' und die allzu freundliche Irin zur Psychotante. Genug Grund um kurzer Hand auszuziehen. Leene ist also mit ihrem ganzen Kram in die Schule, hat noch gearbeitet und ist dann in meine WG. So schnell kanns gehen und so schnell werden wir uns nicht los ;-)
Ich bin immernoch zufrieden und hab mal wieder n riesen Glück gehabt... Auch in der Schule läuft es echt gut. Hatte die ersten Leistungskursler im Einzelunterricht und auf die Frage, was sie interessiert und über was sie mehr erfahren wollen, nannten sie Hitler und den Fall der Mauer. Wie überraschend! Aber ich denk mir da schon ein paar Sachen aus, um diese trockenden ewigwährenden Themen spannend zu machen. Zu ein paar kleineren künstlerischen Aufgaben hab ich mich dann auch noch rekrutieren lassen. In der siebten oder achten Klasse lernen sie in Deutsch grad die Haustiere kennen und ich sollte ein paar extrem schwachen Schülern einzeln helfen. Es war echt nicht hinzukriegen, den Unterschied zwischen dem Bild eines Pferdes und der Bezeichnung Wellensittich auszumachen. Deshalb hab ich kleine Schriftzüge in Form des Tieres gezeichnet und laminiert in der Hoffnung, dass es hilft... Mit zwei der Deutschlehrerinnnen war ich auch schon abends weg. Erst im Kino und dann Essen mit asiatischem Bier, dass ich echt empfehlen kann.
Das Wochenende konnte ich mich mal wieder kaum vor Beschäftigung retten... Leenes Eltern besuchen sie grad in London und wir waren Samstag zu fünft essen und am Sonntag bei nem Rugbyspiel auf dem Land. Wycombe ist echt n kleines Nest mit einem dafür ziemlich großen Rugbystadion. Rugby ist das Ding hier und diese etwas bierbäuchigen Briten in der Fankurve vor und waren kaum zu halten, wenn es darum ging ihre London Wasps mit einem kreativen "Wasps, Wasps, Wasps... Wasps, Waaaasps" und gleichzeitig alkoholtauglichen Gesang/Geschrei anzufeuern. Das war echt witzig und bedeutend spannender als das Spiel selbst. Ungefähr dreißig Kerle mit breiten Schulten und teilweise auch breiten Bäuchen in engen Trikots stehen sich abwechselnd die Beine in den Bauch oder schmeißen sich in großen Haufen auf den Ball und dadurch auch aufeinander. Fazit: Brutal und mir persönlich zu statisch. Äh... boring. Trotzdem war es ne tolle Erfahrung mal dabei gewesen zu sein und es hat viel Gutes jetzt zu wissen, dass ich 'Rugby' in Zukunft weiter ignorieren kann...

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