Mittwoch, 3. Oktober 2007

Lampton school and "Wohas hasch duo ahhhm Wockenende gemaht?"

So, Zeit mal wieder ein bisschen zu bloggen. Wenn ich das nicht regelmäßig tue, wird es (abgesehen davon, dass ich es vieles schnell vergesse würde) schwer mit dem Berichten hinterherzukommen... Es ist wirklich Wahnsinn. Ich hab echt noch nie erlebt, dass ich mich am Ende eines Tages so komplett verwirrt (also deutlich über meinem angeborenen Verwirrtheitspegel) und gebrainwashed fühle. Es ist einfach alles so neu und anders und spannend. Neues Land, neue Stadt, neue Arbeit, neue Aufgaben, neue Orte, neue Leute, neue Mitbewohner, neues Zimmer... auch dass ich seit 2 Wochen aus dem Koffer lebe ist neu. Abands fall ich meistens irgendwie halbtot ins Bett (oh ja, ein richtiges!!) Aber es ist auch nicht so, dass ich mich schlecht fühlen würde - im Gegenteil. Man könnte es ausgebrannt-glücklich nennen!
Die ersten Tage an der Lampton School habe ich nun hinter mir. Nachdem ich zusammen mit meiner fanzösischen Kollegin am ersten Morgen im 'staff room' den gefühlten 100 anderen Lehrern vorgestellt wurde (es sind echt total viele - so viele, dass sich viele noch nicht mal gegenseitig mit dem Namen kennen...), wurden wir förmlich mich 'wichtigen' Infos zugeschüttet. Angefangen beim Stundenplan über Verhaltensregeln und Dresscode (man gewöhnt sich an den Schick, es ist unglaublich ;-) ) bis hin zu sicher nett gemeinten Empfehlungen zu 'walks around London', ähm.... ja, mal sehen was sich ergibt. Auch die Deutschlehrerinnen der Schule kamen gleich auf mich zu. Auch einige andere Lehrer. Und wer nicht von selbst 'hi' sagte, wurde während einer Tour durchs Schulgebäude von unserer Mentorin Della gezwungen, uns die Hand zu schütteln (übrigens ist es hier auf der Insel nicht üblich, sich zur Begrüßung und zum Abschied die Hand zu schütteln - wenn, dann nur bei Vorgesetzten, Geschäftssachen oder bei der ersten Begegnung... da tritt man schnell mal in kleinere Fettnäpfchen, die hier kulturell bedingt sowieso in jeder Ecke lauern...). Doch bis jetzt habe ich durchweg positive Erfahrungen in Lampton gemacht. Ich kann wirklich nicht klagen, habs gut erwischt hier. Zwei der Deutschlehrerinnen haben mich gebeten, mit ihnen Deutsch zu sprechen, damit Sie nicht aus der Übung kommen. Das ist natürlich sehr entspannend :-) Alle total freundlich und interessiert, wirklich zu nutzen, dass ich nunmal da bin. Und für mich bedeutet das keine wirkliche Anstrengung. Ich muss einfach nur die Deutsche sein und alles was ich dazu brauch hat sich bis jetzt wunderbar gefügt... Auch die Unterrichtsvorbereitungen gehen mehr oder minder locker flockig von der Hand. Für die heutigen Stunden musste ich einen Text über mich vorbereiten, diesen laut vor der Klasse vorlesen und die Schüler füllten nach Hörverständnis die Textlücken auf meinem Arbeitsblatt aus. Weil ich ja, fast wie ein exotisches Tier aus einem fernen Land, total spannend für die Schüler bin, haben sie mir noch weitere Fragen gestellt. Ihr Deutsch ist so witzig. So süß! Etwas wie: "Wohas hasch duo ahhhm Wockenende gemaht?" oder "Wosch häs du hoit sum Fruhstuck gessen?" beantwortet man doch zu gern. Und Dinge wie "Woan hasch duo Deusch gelärn?" bringen einen echt zum schmunzeln dort vorn... Auch einige andere Dinge irritieren oder erstaunen mich noch. Mit den Schülern wird teilweise (im Vergleich zu Deutschland) ziemlich hart umgegangen. Die Uniform muss richtig sitzen, Pünktlichkeit und Ruhe im Unterricht - sonst gibt es 'detentions' mit denen man auch schnell mal mit Namen an der Tafel oder vor der Tür der Direktorin landet. Dann wird es auch mal lauter und energisch von 5 bis 'stop' runtergezählt, um Disziplin zu erreichen. In Lampton hab ich es weniger erlebt - aber Aileen hat von einigen Schülern, die von Lehrern böse zusammengefaltet wurden, erzählt... Schon andere Zustände. Zweimal in der Woche gibt es auch ein assembly. Das ist eine Art Vortrag in einem aula-artigen Bereich, vom Direktor oder dem Stellvertreter. Habe beim ersten Mal nur das Ende gehört, aber es war im Prinzip ein deutlicher Aufruf, die Umwelt sauber zu halten und Müll zu recyclen... Ja, man merkt sicher schon, dass vieles anders läuft - aber es ist echt spannend und ich fühle mich wirklich sehr wohl mit meinen Aufgaben und den Leuten, mit denen ich dort arbeite. Im Gegensatz zu meiner liebsten Ealingkollegin ;-) werd ich in den Unterricht einbezogen und es gibt Hausaifgaben wir: Please write ten sentences about Jana. Hi hi.
Morgen ist dann ertsmal Introduction Day, an dem ich bestimmt auf einige andere Hounslower assistants treffe. Laut Plan gibt es pädagogisch sicher hochwertige icebreaking activities, bei denen man sich bestimmt gegenseitig eingen wunderbar soften Schaumgummiball zuwirft und interessante Dinge erfährt... Na dann :-) Damit ich nicht wie die letzten zwei Tage morgens verschlafe (keine Angst, immernoch halbwegs on time und den Job noch nicht los...!) und meinen Wecker wieder im Halbschlaf ausschalte, will ich jetzt langsam schlafen gehen. Bald mehr vom letzten Wochenende auf dem Portobello Market, die Nacht in Camden Town und weiteren witzigen Begebenheiten...

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi, wie schön und spannend du das schreibst, man kann förmlich das gebrainwashed miterleben. Das gefällt mir sehr gut! VLG Chris

Carrie hat gesagt…

Ich find es total lustig, dass du inzwischen schon so arg dazu neigst, die englischen Worte einzudeutschen. Ich kenne das Leid, wenn einem das deutsche Wort nicht einfällt, Miss "Icebreaking Activities" *gg*
Ich les deine Blogs super gern. Es is ein bisschen so, als is man selbst da. ;-)

bine hat gesagt…

Hallo Jana,
danke, danke für Deine spritzigen News - kan mich meinen Vorgängern nur anschließen, Alles sehr lebensnah geschildert. Schreib Dir über studivz!
Gruß bine