Montag, 3. März 2008

Derby, Manchester, Notts and a life outside of London

Obwohl London so richtig richtig schön ist und die Stadt längst nicht vollends erkundet ist, muss man auch ab und zu mal über den Tellerrand schaun - oder aus der Schachtel denken wie es hier heißen würde ('to think outside of one's own box')... Also, London is ja ganz schick, aber ...
Vom 8. bis 11. Februar machten Leene und ich also einen Ausflug nach Derby. Als ich meinen Mitbewohner von unseren Plänen erzählte, verzogen sie abwechselnd das Gesicht und sagten Dinge wie - "To Derby? Hmmpf, why Derby? This is at least no. 2 of The-Worst-Places-To-Live-In-Britain"...!" (Hab leider keine Ahnung welcher Ort den ersten Platz belegt, aber man sollte es mal rauskriegen...) Mit gemischten Gefühlen fuhren wir also mit einem leichten mulmigen aber doch von viel Vorfreude geprägten Gefühl in die Midlands. Vor allem auf die Landschaft hab ich mich gefreut, weil man hier in London doch er Teerwiesen sieht.
Um kurz nach 19 Uhr fuhr unser National Express Bus mit reichlich Verspätung. Der Sitzplatz war wahnsinnig eng und die Lüftung blies Leene unaufhörlich ins Gesicht, es gab kein Klo dafür aber einen waghalsig fahrenden indischen Busfahrer. Doch neben den Wiesen, dem Kleinstadtleben und den niedrigen Bierpreisen freuten wir uns natürlich auch auf Maja, die uns übers Wochenende eingeladen hatte, uns zu mitternächtlicher Zeit am Bus stop abholte und uns gleich mit einem Programm für die nächsten Tage überraschte: Sa: Manchester. So: Nottingham. Cool!
In ihrer WG angekommen staunten wir heftig über den krassen Einrichtungsstandard, tranken ein bisschen Squash, quatschten und fielen totmüde in das auf dem hellen Laminat(!)fußboden trohnende stabile Bett, in das sich sogar Leene freiwillig legte.
Plangemäß liefen wir saufrüh am Morgen zu einem der 5 Bus stops in der Innenstadt Derbys. Diesmal bei Tageslicht stellte sich heraus, dass es echt ne schöne Stadt ist. Vielleicht nicht so multikulturell, vielschichtig und abwechslungsreich wie London - doch durchaus mit der schönen Atmosphäre einer englischen Kleinstadt. Pubs, Kathedrale und Kirchen, ein leergefegter Marktplatz mit einem der größten Flatscreens, den ich je gesehn hab (es läuft die ganze Nacht BBC News und wahlweise ein Rugbyspiel), und ein riesiges Shoppingcenter. Auch grüne Ampeln haben sie.
An der Bushaltestelle trafen wir dann Tati, ne Freundin von Maja, die auch Assistentin in Derby ist und freuten uns auf einen wunderbaren Tag, weil sich schon von Beginn abzeichnete, dass wir 4 wohl viel Spaß miteinander haben könnten... Mit dem Bus ging es dann bei super Wetter über Land nach Manchester (früher: Mamucium "breast-shaped" - brustförmig... Leene könnte jetzt erklären welche tiefere Bedeutung dahinter steckt, ich nicht..). Eine Stadt mit vielen alten Gebäuden, umso mehr neuen Hochhäusern und Industrieanlagen und einem Stadtteil, der "the village" genannt wird mit Unmengen von Regenbogenfahnen und Gayclubs samt Inhalt...
Auf dem Weg bekamen wir dann die volle Ladung Wiesen mit hedges (Hecken, auch aus Stein), die früher dazu dienten ein Stück Grundbesitz von dem anderen abzutrennen und Schaaaafe!! Wirklich schön!

Unsere erste Station war das Chinatown von Manchester, das zwar n ganzes Stück kleiner als das Londoner Chinatown ist, aber umso skurilere Überraschungen parat hielt.
Es lebt und ist absolut ekelhaft... trotzdem haben wir noch nicht raus, was oder wer es ist und es wäre gut zu wissen, damit man es nicht aus Versehen beim nächsten Restaurantbesuch bestellt...


Wie in London auch gibt es ein Riesenrad, das Manchester wheel. Mit einigen Überredungskünsten konnten wir letztendlich alle zweifelnden Menschen mit Höhenangst davon überzeugen, dass das Teil viel schlimer aussieht als es ist... und wir konnten Manchester von oben genießen...
Blick auf Manchester...
Und wieder unten... n wunderbares Foto - geschossen von Tati...
Nächstes Ziel war das Urbis. Ne Art City Center mit angeschlossener Kunstgalerie und Café ganz oben, in dem wir später gemütlich nen Kaffee hatten. Als Kunst gabs dort vor Allem riesig vergrößerte Skulpturen von Scheren, Maßbändern, Stiften und Textmarkern - nicht wirklich innovativ aber beineindruckend. Vorm Urbis tummelten sich geschätzte 1000 Emo- und Goth- teenager und genossen scheinbar den sonnigen Tag... Auch das war irgendwie beeindruckend - Hmmm.
Danach ging es zur Kathedrale von Manchester die unserer Meinung nach eine witzige Eingangstür hatte: I am the door of the sheep. = Ich bin die Tür der Schafe. Etwas diskriminierend irgendwie, aber ich mag ja Schafe und außerdem ist es sicher gut zu rechtfertigen ;-)
Gegen Abend machten wir uns dann wieder auf den Weg zur Coach Station, schlenderten zurück durchs Gay Village und konnten es uns nicht nehmen lassen, nochmal kurz in einen dieser crazy Chinaläden zu schaun. Einfach zu krass - ich kann mich erinnern, dass meine Augen danach geblendet waren und wir aufgrund des Kulturschocks nicht mehr gerade laufen konnten. So ungefähr jedenfalls...
Es gab halt das volle Programm: Wasabierbsen, kitschige Fächer und andere Dekogegenstände, Reispapierlampen, ultrafette Glückskatzen und einen ziemlich coolen Fotoaufkleberautomaten, bei dem wir n bisschen gecheatet haben...
Nach einer viel zu langen Busfahrt in einem Bus ohne Klo (!!), der wegen mir extra anhalten musste und ich unter den verwunderten Blicken der Fahrer in dem kleinen Betriebshof schnell wie der Wind auf die einzige Toilette gespintet bin... kamen wir gut in Derby an, um geradewegs in den besten Pub der Stadt ('Standing Order') zu gehen. Dort gabs genug Bier für alle (an dieser Stelle müssen die Preise erwähnt werden... London: Pint = 3 Pfund 20 - Burger mit Pommes, Salat und Bier = nicht unter 10 Pfund --- Derby: Pint = 1,99 - Burger mit Pommes, Salat und Bier = 4 Pfund 99 ...... pffff...), um auf den tollen Tag ein lautes 'Cheers mate' zu gröhlen, anzustoßen und die letzten Stunden zu genießen. Oh ja, das haben wir ;-) Viel gequatscht und wahrscheinlich so eingeschworen am Tisch gesessen, dass die älteren englischen Herren am Tisch gegenüber ihren Plan, den deutschen Mädels n Bier auszugeben, schnell wieder verworfen hatten. Vielleicht lag es auch daran, dass sie erst nervös in ihren Hosentaschen kramten und feststellten, dass sie ihr ganzes Geld selbst schon versoffen haben.
Leicht wasted sind wir dann trotzdem noch bei den "Cloisters" angekommen, ins Bett gefallen, viel zu lang gequatscht, viel zu spät eingeschlafen...

Sonntag. Nächster Morgen. Ausgiebiges sauleckeres Frühstück, das uns Maja machte ganz laut der Devise "An apple a day keeps the doctor away..." - etwas angestaubt vielleicht aber schaden kanns nicht :-) (Doch kommt nicht ganz ran an den Spruch, den ich von Dave gelernt hab: Baked Beans, Baked Beans are good for your heart - the more you eat the more you fart... he he.)
Auch Tati war tollerweise wieder mit dabei und so waren wir 4 wieder alle zusammen. Nottingham ist ja bekannt für Robin Hood und den Sherwood Forest. Den wollte ich auch eigentlich unbedingt sehen, aber dadurch, dass die den über Jahrhunderte gnadenlos klitzeklein gerodet haben, ist er heutzutage weit außerhalb von Nottingham... Leider.
Trotzdem gabs in Notts wieder viel zu sehn und zu erleben. Zum Beispiel, wie sollte es anders sein, ein WHEEL! Ich habe langsam das Gefühl, dass ich dem wahren England und den Traditionen hier immer näher komme... Ähem...Erprobt vom Manchester Eye kletterten wir in die diesmal Freiluftkabinen des Nottingham Wheel und testeten unsere Kotztoleranz weiter aus (ich werde Rollercoaster Tycoon in Zukunft mit ganz anderen Augen spielen...)...


Leene: Maja is schlecht... Maja muss gleich kotzen! - Das hat Maja dann Gott-sei-Dank doch nicht gemacht und genau wie Tati und Leene die Fahrt irgendwie überstanden. :-) Glücklicherweise hab ich keine Höhenangst und konnte ganz entspannt in der Gondel rumhängen!
Gut - auch ohne Sherwood Forest in der Nähe, habe sich natürlich clevere Leute von wahrscheinlich Notts and R.Hood Merchandise was einfallen lassen.

An jeder Ecke gibt es Kugelschreiber in Form von Pfeilen, bestimmt auch "Give money to the rich"-Scherz-buttons und ganze Robin Hood Kostüme mit Bogen-u-Saugnapfpfeil-Set. Und Mützen, die Tati sehr gut stehn...
Sind nach dem Wheel erstmal zum Nottingham Castle. Wirklich richtig richtig schön, vor allem bei Sonnenschein. Dort kann man im Park spazieren und ein Museum besuchen oder einfach vorm Eingang fletzen wie wir das gemacht haben.

Vorm Schloss steht Robin Hood höchstpersönlich in Bronze gegossen und ist n beliebtes Fotomotiv. Nach dem echten suchen sie anscheinend immer noch..!
In Notts gibt es auch den ältesten Pub Englands: Ye Olde Trip to Jerusalem - so 12. Jahrhundert gings dort als kleine brewary los, weil sie kurz vorher das castle für William the Conquerer gebaut hatten. Heute stehen vom Schloss nur noch die Grundmauern, aber der Pub ist noch da. Den mussten wir natürlich mitnehmen und dort mehrere half pints vom Hausbier trinken. Lecker!
Nach einem vergeblichen Versuch an der Nottingham University die Chinese New Year Party zu finden, war dort als wir gegen 6 Uhr abends (!) hinkamen schon "der Hund begraben"... Die Taxifahrt war also völlig umsonst und Getränke hatten die auch nicht mehr. Nur noch n Foto vorm Eingangsschild, um in diversen Blogs zu schreiben, dass wir nur die Uni sehen wollten und um diesen Reinfall zu vertuschen. Tadaaa!
Später abends dann also zurück nach Derby und nochmal in den Pub aufn Glas "Coke", fish & chips und nen dicken Burger!

Montag mussten wir schweren Herzens leider schon wieder zurück in die Hauptstadt - nach einem viel zu kurzen Wochenende in den grandiosen Midlands, das viel zu schnell vorbei ging - aber trotzdem voller Überraschungen steckte. Wie Leene in ihrem Blog schon geschrieben hat, viele beeindruckende Sehenswürdigkeiten, witzige Kleinigkeiten und traumhaftes Wetter, aber vor allem hatten wir n Haufen Spaß zusammen. Wirklich eins der schönsten Wochenenden, die ich hier hatte und ich werde die 4 Tage wohl nicht so schnell vergessen... Danke euch!!

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