Heinrich der Achte, König von England während des Tudor-Zeitalters war wohl ein stattlicher Mann, fast 2m groß, kräftig und, laut Aussage unserer in historischem Kostüm gekleideten Palastführerin, wahnsinnig gutaussehend in seinen jungen Jahren. Später dann wohl immer fetter und unansehnlicher werdend, hatte er trotzdem 6 Frauen, deren Trennungsgründe mit ihm in einem einfachen Reim zu merken sind:
Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived.
Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt.
Von Außen pompös, von Innen nicht weniger beeindruckend. Unzählige Räume, teure Möbel, Kronleuchter, Gemälde und Wandmalereien.
... Blumen in aller Vielfalt (es wird Frühling!! jeehaaa!) ...
... und dem ältesten Maze ("Irrgarten") Englands, dessen Grundriss für viele weitere mazes an europäischen Königshöfen Vorbild war.
Auch wir mussten unbedingt probieren, den Weg zur Mitte zu finden. Der durchschnittliche Besucher braucht wohl geschlagene 20 min. ins "centre". Mal sehn, ob wir dass nicht locker unterbieten können, dachten wir uns. Zu einem Zweimannteam vereint, verfolgten Leene und Nico die berühmte "immer links gehen, wenn es der Weg erlaubt"-Theorie (es klappt genauso mit rechts) und ich vertraute meiner Intuition.
Weniger genießbar ging es in der königlichen Schlossküche zu. Hier ist alles originalgetreu nachgebaut und aufgetischt. Kartoffeln, Lauch, Gewürze, Plastikkeulen, -Gulasch und -pasteten. Zum Reinbeißen wie Leene eindrucksvoll demonstriert...
Auch der Weinkeller war ziemlich gut rekonstruiert und mit Klanginstallationen (so auch die Hack- und Schneidgeräusche in den Küchenräumen) und Laternen sehr atmosphärisch.
Und genauso atmosphärisch ging es am selben Tag weiter, nur ein bisschen düsterer, krimineller, schauriger. Abends fuhren wir nämlich in den Stadtbezirk Whitechapel, um an einer "Jack the Ripper"-Führung teilzunehmen. Ein Serienkiller, der hier im späten 19. Jh. in den dunkel Straßen des Londoner East Ends insgesamt 5 Prostituierte auf brutalste Weise umgebracht hat. Die mit tiefer, dramatischer Stimme sprechende Führerin hatte auch eine Reihe von originalen Fotografien dabei, die manche aus unserer Gruppe sicher lieber nicht so genau angeschaut hätten. Ich erspare euch an dieser Stelle weitere Details. Ziemlich eklig.
Im damaligen London lebten fast 50% der Menschen in diesem Stadtteil auf der Straße, es gab viele Arbeitslose, Menschen ohne feste Bleibe und Geld und demzufolge viele Frauen, die sich prostituieren mussten... Die nette Lady, die die Führung leitete, wies nur in einem Nebensatz darauf hin, dass sich einiges bis heute nicht geändert hat. Wenn man dann durch die dunklen Straßen und gepflasterten Gassen läuft (die früher natürlich keine Straßenbeleuchtung hatten) und dabei alte Gebäude aus der Zeit entdeckt, teilweise die alten Orte des Verbrechens, hat das eindeutig nen hohen Gruselfaktor.
Jack the Ripper wurde von Scotland Yard nie gefasst, obwohl es unzählige Verdächtige gab und auch ihm zugewiesene Briefe wie der "From Hell"-Brief.
Die zweistündige Führung hat sich echt gelohnt und wer auf diese Art von Geschichten steht und bei s/w-Fotos von böse Zugerichteten nicht hinter die nächste Laterne springt... dem können wir drei, Leene, Nico und ich, das empfehlen...

So kann ich diesen Blogeintrag nicht enden lassen - deshalb jetzt noch was Spaßiges, Lustiges zum Schluss... ein weiteres Highlight war nämlich mein zweiter Musicalbesuch im Londoner West End. Nach Spamalot war ich mit Nico zu "Avenue Q" unterwegs. Ein sehr witziges Stück mit echten Schauspielern, in grau gekleideten Puppenspielern und wuseligen Monsterpuppen aus der Sesamstraße. Mal ein etwas anderes Musical, in dem es auch einen Song über das deutsche Wort 'Schadenfreude', dass im Englischen keine wirkliche Entsprechung hat...
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