Montag, 24. März 2008

'Tatort', 'Kommissar Rex' and custard-filled syringes

Vor einiger Zeit habe ich, glaub ich, mal erwähnt, dass Leene und ich UK-German-Connection Ambassadors sind. Klingt alles viel wichtiger und aufregender als es eigentlich ist. Im Grunde genommen haben wir über das Programm schlicht und einfach die Möglichkeit ein bisschen Geld für Projekte und Aktivitäten mit unseren Schülern ranzuorganisieren. Seit November sind wir in diesem Programm und haben uns mehr oder weniger verpflichtet mindestens ein Projekt an unseren Schulen zu machen, dass irgendwie mit der deutschen Kultur zusammenhängt und im weitesten Sinne das Interesse der Schüler an Deutschland und am Deutschlernen wecken soll. Wenn möglich sollten diese Projekte auch noch bilateral ablaufen, am besten mit Videokonferenzschaltung oder einem Trip nach Deutschland.
Klein anfangen, dachten wir uns, und erstmal was "einfacheres" auf die Beine stellen um zu sehen wie alles so läuft und vielleicht später noch was "größeres" in Angriff nehmen...
Gesagt, getan! Nur welchem Thema widmen wir uns? Was könnte denn junge Engländer zwischen 16 und 18 so interessieren.
Am besten auch mal was anderes außer Hitler, der zweite Weltkrieg und der Fall der Mauer. Warum also nicht etwas über Krimis und die damit verbundene Angewohnheit der Deutschen, am Sonntagabend mit der ganzen Familie nen 'Tatort' zu schaun...? Klar!
Also versuchten Leene und ich uns als Ideenentwickler, Promoter, Designer, Laufburschen, Organisatoren, Köche und Moderatoren in einem. Hier kriegt das Wort "Multi-tasking" eine wahre Bedeutung...

Also wurden wir 'determined' und setzten ein Datum für unseren 'Krimiabend', dessen Titel wir frei in 'Crime evening' übersetzten. Wir luden insgesamt Schüler aus 3 Schulen ein und legten als 'venue' für unseren Abend eine von Leene's Schulen, die Drayton Manor High School, fest. Schnell war bei einem Glas Wein (oder war es Bier?) ein Plakat designt mit dem guten alten Fadenkreuz ausm Tatort und etwas Blut als gestalterisches Element.
Programmmäßig hatten wir uns für den Anfang eine kleine Präsentation zu deutschen Krimis vorgenommen. 'Tatort', 'Polizeiruf 110' und - wie sollte es anders sein (und wer hat es in seiner Jugend nicht vergöttert) - 'Kommissar Rex' dienten als Beispiele für fast 150 (!) Krimiserien, die wir in Deutschland haben. Besonders auf Kommissar Rex können wir wohl mächtig stolz sein - in fast jedem Land dieser Erde lief und läuft die Serie und ist nach Baywatch die erfolgreichste TV Serie aller Zeiten. Wer hätte das gedacht. Son haariger stinkiger Schäferhund verliert nur knapp gegen Pamela Anderson und einem (ok, auch ziemlich haarigen) David Hasselhoff?
Als ich in unserem Klassenraum die Präsentation auf dem Whiteboard mit Touchscreen-Oberfläche zum Laufen brachte, hatte der Mathelehrer, der neben mir stand, sofort ein breites Grinsen im Gesicht, als er das Rex-Intro samt englischer Titelmusik sah. Er stammt nämlich von Mauritius und auch dort hat er als Jugendlicher Kommissar Rex geschaut. Wicked!

Nach der Präsentation spielten wir Black Stories auf Deutsch, danach ließen wir ein selbstgeschriebenes Mini-Theaterstück von unseren Schülern aufführen (samt Kostümen und Perücken von der Drama section!!) und zum Schluss zeigten wir ein paar Sequenzen aus nem echten Münster-Tatort und hatten dazu n paar Multiple Choice-Fragen und ein Gapfill vorbereitet. Alles lief wirklich super - alle liebten Rex und besonders das Mini-Drama, in dem Sätze wir "Oh Gott! Oh mein Gott, mein lieber Sohn. Er ist tot!" mit solch einer Betonungslosigkeit vorgelesen wurden, dass es einfach zum schreien komisch war ;-) Auch die sonstigen schauspielerischen Leistungen waren grandios!
Für zwischendurch hatten wir ein Buffet aufgebaut mit deutschem Partyessen wir Nudelsalat, Bouletten, Partyspießen mit Käse, Tomaten, Weintrauben und German Bread - und neben gruseligen Gummitieren und Wackelpudding auch echte Spitzen, die wir mit Custard (ne Art Vanillesose) gefüllt hatten. Auch unsere Augenbowle (Lychees mit Weintrauben gestopft in rotem Beerensaft und Eishänden) war der Hit. (Leene's Julia aus Naun - falls du das hier liest, 100 Dank für die Rezepte und Zubehör!!) Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir den ganzen Kram selbst eingekauft, gekocht und zur Schule geschleift haben... Aber es war die Mühe wert! Den Schülern hats riesen Spaß gemacht, sogar der Weg aus Hounslow hatte sich sehr gelohnt.
Unsere (erforderlichen...) Evaluationsschreiben waren durch die Bank weg positiv - wie wir abends bei nem wohlverdienten Pint im 'Fox' feststellen konnten. (Hierbei lernten wir auch Colin, den netten Besitzer des Fox kennen, der uns gleich sämtliche Ales des Hauses kosten ließ...)
Richtig cool war, dass unsere Schüler noch an den nächsten Tagen von dem tollen Abend erzählten und nach eigener Aussage "Deutschland und Deutsch mal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt haben"...
Fazit: Ziemlich stressige Vorbereitung, die sich aber im Nachhinein saumäßig gelohnt hat. Es hat sehr viel Spaß gemacht zu sehen wie viel Spaß es unsern Schülern gemacht hat - und auch Joan, Chris, Lisa, Sinéad und Paula - den Lehrern von unseren beiden Schulen - hat es echt gefallen.
Danke Leene, dass wir unseren "Crime Evening" so toll zusammen auf die Beine gestellt haben. It was a pleasure to work with you! Und damit meine ich alles, die ersten Ideen zu sammeln im 'Chanders', das Konzept bis ins kleinste ordentlich zu formulieren, alle von unseren Plänen zu überzeugen, die Elternbriefe zu verschicken und Foto permissions abzuhandeln, Essen zu überlegen, das sowohl zum Thema passt, aber auch den Veganern und Nussallergikern unter uns schmecken würde, Stress-shopping und -cooking zu betreiben, alles durch halb London zu chauffieren, zu basteln, zu dekorieren und zu moderieren...
Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, trotz des ganzen Aufwand und des gelegentlichen Haareraufens und wir haben etwas erreicht, auf das wir mächtig stolz sein können!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

He, das klingt gut wäre ich auch gern dabei gewesen! Das mit dem Flohbeutel Rex, scheint schon beliebt zu sein. Du hast aber was vergessen. Der für alle Zeiten meist gesehene, verkaufte und synchronisierte, auf allen Kontinenten,in 100 von 194 Länder der Erde, gesehene Krimi- Serie, ist immer noch "Derrick". Wie konntest du Flohbeutel Rex bloß dieser " deutschen Krimi- Glanzleistung" vorziehen? Ich weiß, Rex ist ein sympathischer, gut aussehender Kerl!